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Interview mit Dr. med. Wolfgang Toepel

3 Fragen an Dr. med. Wolfgang Toepel - Facharzt für Innere Medizin und Kardiologieund Mitglied der Evangelischen Gemeinschaft Lachen-Speyerdorf

1. Lieber Wolfgang, die Nachrichten zur Corona-Pandemie überschlagen sich in den letzten Tagen. Berechtige Sorge oder Panikmache? Was sagt der Mediziner?

Lieber Siegfried, danke für die gestellten Fragen! Ich halte die Sorgen der medizinischen Experten für absolut berechtigt. Ein Blick nach Italien zeigt dies auch sehr deutlich. Es gilt jetzt, alles zu tun, damit es nicht wie in Italien mit mittlerweile 17.000 Patienten (Stand heute) zu einem Massenanfall von Erkrankten kommt, der das Gesundheitssystem überlastet und kollabieren lässt. Konkret: wenn Patienten sterben müssen, weil alle Intensivbetten belegt sind. Um das zu vermeiden, sind alle Maßnahmen zu ergreifen, die möglich sind. Und wir als Bürger sind verpflichtet, unseren Beitrag zu leisten.

2. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim. 1,7)
Der Vorstand der EVG hat in seiner Sitzung am 12.03.2020 entschieden, dass wir bis auf weiteres die Veranstaltung der Gemeinde ruhen lassen? Hältst du diese Maßnahme für gerechtfertigt?


Definitiv ja. Der Gottesdienst ist eine Veranstaltung, in der Viren sehr leicht übertragen werden können. Wenn man eine Stunde neben jemandem sitzt, der das Virus ausscheidet, oder sich mit jemandem unterhält mit einem Abstand von weniger als 1 m oder 1,5 m, wird das Virus über die Atemluft übertragen. Die respektable Entscheidung der Gemeindeleitung wird der gesellschaftlichen Verantwortung, den Forderungen der Obrigkeit und der gegenwärtigen Ausnahmesituation absolut gerecht.

Ich persönlich habe weniger Angst davor, infiziert zu werden, aber es wäre mir sehr unangenehm und würde mein Gewissen belasten, wenn ich jemanden fahrlässig anstecken würde. Z.B. dadurch, dass ich vielleicht ohne es zu wissen infektiöse bin und den erforderlichen Abstand nicht einhalte.

3. Wie gehst du und deine Familie mit der aktuellen Situation um? Hast du Tipps für die Gemeindemitglieder?

Medizinisch: Abstand halten, ca. 1- 1,5 m, Menschenansammlungen meiden (auch überfüllte Wartezimmer in Arztpraxen!), Hände waschen, häufig angefasste Gegenstände reinigen oder desinfizieren.

Geistlich: Ich hätte mir bis vor kurzem nicht vorstellen können, dass die Nächstenliebe und die Verantwortung gegenüber unserem Nächsten uns gebietet, einen Gottesdienst ausfallen zu lassen. Jetzt lernen wir, dass Gottesdienste keine Selbstverständlichkeit sind und dass die jetzige Zeit ein Weckruf ist, das eigene Bibelstudium wieder zu beleben (im Sinne einer geistlichen Notfall-Selbstversorgung).

Rein formal gehöre ich zur Kategorie “Großvater”, aber da ich eigentlich noch recht rüstig bin, muss ich vielleicht den Kontakt zu meinen bezaubernden Enkelchen nicht ganz so sehr einschränken. Aber Knuddeln wie bisher geht halt nicht.


Das Interview führte unser Vorstandsmitglied, Siggi Stangohr